Alter Bahnhof
Rilchingen-Hanweiler
Eine lebendige Station nicht nur für einen
Bahn-Stopp

Stillgelegt! Nein, das gilt für dieses schöne alte
Bahnhofsgebäude nicht. Zum einen hält dort noch immer ein Zug.
Tagsüber alle halbe Stunde auf dem Gleis hinter dem schmucken
Gebäude mit den Halbbogen-Fenstern. Es ist die junge S-Bahn
zwischen Saarbrücken und Saargemünd.
Zum anderen hat ein Original-Hanweiler - gleichzeitig ein Hanweiler
Origial - die Gastronomie übernommen. Einst, mit 18 Jahren, ist
Serge Heblich in die große weite Welt gezogen. Seemann war er. Und
danach jahrelang Bürger der wichtigsten französischen Hafenstadt
Marseille. Jetzt ist er wieder zu Hause. Und hat sich gleich bei
der ersten Idee für einen neuen Job - in seinen alten Heimatbahnhof
verliebt. Mon Dieu, was hat er dort alles erlebt! Na, und daran
erinnert er sich mit seinen Hanweiler Gästen natürlich gerne. Seine
französischen Gäste amüsiert er mit seinem Marseiller Akzent.
Bar-Gespräch im alten
Schalterraum
Der einstige Schalterraum des Alten Bahnhofs ist heute die
Empfangs-Bar des Restaurants. Sie liegt zwischen zwei von
Sandsteinen eingerahmten Bogentüren. Die eine führt zum Ort, die
andere zum Gleis. Hinter zwei Bartischen erinnert eine geschwungene
Holz-Bank an frühere Bahn-Zeiten. Hier trifft man sich zum Bierchen
oder Pastis - und einem Gespräch mit Serge. Der Tresen, an dem der
Patron agiert, ist Raumteiler zum Restaurant. Ein Vorteil, findet
Serge. So kann er problemlos mit den Bar-Gästen weiter disputieren
und sich gleichzeitig um die Getränke-Bedürfnisse seiner
Restaurant-Gäste kümmern.
Die kleine Gastro-Galerie
Die entkernten roten Klinkerwände des hübschen Gastraums sind
harmonischer Hintergrund für Sylvia Heblichs sonnenfarbene
Acryl-Bilder. Es ist Serges Schwägerin, die hier ihre Werke zum
Verkauf anbietet.
In diesem besonderen Ambiente einer kleinen Gastro-Galerie
überrascht Patron Serge seine Gäste täglich mit einem neuen
Tages-Menü. Repas du jour mit Vorspeise (Salat- oder kleiner
Wurst-Teller), Hauptspeise (könnte sein: gekochtes Rindfleisch mit
Meerrettich-Soße), Dessert oder einem kleinen Käse-Teller - plus
einem Espresso. Die bewusst kleine Abend-Karte orientiert sich an
der saarländisch-lothringischen Grenzsituation: deutsches
Schnitzel, französisches Beefsteak.
Marseiller Bouillabaisse und bretonische
Crêpes
Manchmal jedoch zeigt die Küche auch, wo Serge seine
Lebens-Zwischenstation verbrachte: Dann gibt's im Alten Bahnhof von
Hanweiler Bouillabaisse wie in Marseille. Partnerin Silvie trägt
für einen weiteren kulinarischen Themenabend bei. Sie stammt aus
der Bretagne und bietet den Bahnhofs-Gästen salzige und süße Crêpes
an. Die Dekoration stammt dann aus ihrem Familien-Schatz: unter
anderem eine Coiffe, eine Klöppelspitzen-verzierte Haube der
Frauentracht.
Boule-Bahn mit Grill-Station
Bevor Serge Heblich Hanweiler verließ, gründete er mit Bruder und
Onkel den örtlichen Pétanque-Club, der heute übrigens Landesliga
spielt. So ist es ihm eine besondere Freude, dass der Alte Bahnhof
inzwischen auch Vereinshaus des immer noch existierenden
Boule-Clubs ist. In

einem kleinen, zum
Gastraum offenen Zimmer präsentieren sich die Vereins-Pokale in
einem eigenen Regal. Vor dem Bahnhof gibt es eine neue
Pétanque-Bahn und eine feste Grillstation. So kann bei gutem Wetter
das Schweinchen gejagt werden und dazu gudd gess genn. Und das gilt
nicht nur für Vereins-Mitglieder.
Für Serge Heblich ist dies ein erster Schritt zu dem, was eines
seiner Herzensanliegen im Alten Bahnhof ist. Er möchte hier mit
seinen Hanweilern über Dorf-Traditionen wie Kirwe-Buuwe reden, die
er gerne wieder ins Leben zurück rufen würde. Auf dieser Basis
sollen hier Ideen geboren werden, die der Gemeinschaft
dienen.